365 Tage Chef - Erfolgreiche Nachfolge in Meßdorf

15.09.2016
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Vor einem Jahr hat Michael Metzger (34) die Geschäftsführung im Lohnunternehmen Metzger übernommen. 1 Jahr Chef sein hat den jungen Mann gefordert, ihm viel Kraft abverlangt, aber ihn auch voran gebracht. „Jetzt kann ich meinen Vater in manchen Dingen besser verstehen“, sagt der 34-Jährige. Doch die Situation für den jungen Geschäftsführer war anders, als noch vor 25 Jahren, als das Unternehmen 1991 in der Altmark gegründet wurde. Sein Vater Hardy Metzger fing allein mit einem Mähdrescher an und hatte mit seinem Bruder Klaus Metzger noch einen zweiten Chef im Unternehmen. Bis zur Nachfolge im vergangenen Jahr wuchs die Mitarbeiterzahl auf 40 feste Kräfte, die Michael Metzger von einem Tag auf den anderen verantworten musste. Dass er irgendwann einmal die Firma übernehmen würde, hat er sich als Kind noch nicht träumen lassen.

Er ist zwar mit der Landwirtschaft aufgewachsen, half immer mit und fuhr mit 16 seinen ersten Häcksler. Nach dem Schulabschluss war das Familienunternehmen aber erst einmal kein Thema. Ihn zog es nicht aufs Feld, sondern er entschied sich für eine Banklehre. Im Anschluss folgte die Weiterbildung zum Bankbetriebswirt. Mit dieser Qualifikation in der Tasche blickte er mit neuen Augen auf den elterlichen Betrieb, der inzwischen stark gewachsen war. Im Jahr 2007 stieg er wieder mit ein und kümmerte sich um den kaufmännischen Bereich. „Da habe ich niemandem einen Platz streitig gemacht“, sagt der 34-Jährige. Vor sechs Jahren gab es dann doch die ersten Gedanken, irgendwann das Lohnunternehmen zu übernehmen.

Um die Nachfolge gut vorzubereiten, holte sich die Familie Hilfe von außen und fing zunächst damit an, das eigene Unternehmen komplett zu durchleuchten. „Das war eine wichtige Grundlage für die weiteren Schritte“, sagt Jungunternehmer Michael Metzger. So sei es wichtig gewesen, dass jemand die richtigen Fragen gestellt hat. Dabei ging es um die Belegschaft, die Kunden und das eigene Geschäft. Diese Bestandsaufnahme unterlegt mit wirtschaftlichen Zahlen bildete den Ausgangspunkt, um zwischen den Altunternehmern und dem Nachfolger eine Einigung zu finden. „Gerade bei größeren Strukturen wie den unseren war es wichtig, einen externen Berater an der Seite zu haben“, sagt Metzger. Das gibt beiden Seiten nicht nur einen Überblick über die Leistungen und deren Wirtschaftlichkeit, sondern auch über die Aufgaben der Mitarbeiter und ihre Kompetenzen. „Das hat uns die Augen geöffnet“, sagt der Unternehmer.

Neben der aktuellen Analyse sei es auch wichtig, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Macht das alles noch so Sinn wie es gemacht wird. Ist es wirtschaftlich und gehen Mitarbeiter und Kunden auch mit? Erste Veränderungen gab es im Zuge der Übernahmevorbereitungen, dass Verantwortung vom Chef auch Schritt für Schritt an Mitarbeiter übertragen wird. Zudem dürfe es keine Spezialisierung geben, jeder Mitarbeiter muss bei möglichen Ausfällen durch einen anderen ersetzt werden können. „Das sind Dinge, die für die Zukunftsfähigkeit wichtig sind“, schätzt Michael Metzger ein. Nach diesen Vorbereitungen auf dem Papier wurde es im Jahr 2015 langsam ernst. Bei der Untersuchung des Maschinenparks wurde deutlich, dass eine Übernahme auch mitten im Jahr durchaus Sinn macht. Die Beteiligten machten Nägel mit Köpfen und hatten nach zahlreichen Behördengängen, Besuchen bei Notaren und auch Bankterminen die Grundlage für einen Neuanfang gelegt. So wurde mit 15 Schleppern eine ganze Flotte ausgetauscht und schon in den Fuhrpark der neu gegründeten GmbH überführt. Es folgten auch ein gute Handvoll Häcksler und neue Mähdrescher, sodass Michael Metzger schon am 1. September 2015 als neuer Chef seine Arbeit aufnahm.

„Es ist ganz wichtig, die Mitarbeiter und Kunden mitzunehmen“, sagt der Juniorchef. Das wurde im August mit einem Schreiben zunächst per Post vorbereitet und im persönlichen Gespräch nachgeholt. Über 300 Kunden in der Altmark und darüber hinaus galt es in Kenntnis zu setzen. „Bei den Kunden hat das schnell funktioniert, doch bei den Mitarbeiter hat es etwas gedauert“, sagt Michael Metzger. Sein Vater Hardy Metzger ist immer noch im Unternehmen und kümmert sich um den Wissenstransfer. Seine Hauptaufgabe die Disposition wurde in neue Hände gegeben. Dass die neue Führungskraft in dieser Funktion nicht wie gewünscht aufging und inzwischen eine andere Stelle im Unternehmen hat, zeigt einmal mehr, dass nicht alles nach Plan verlaufen kann. „Er hatte die fachliche Eignung, aber er hat gemerkt, dass er mit dem hohen Stresslevel nicht so gut umgehen konnte. Auch daraus haben wir gelernt und unsere Auswahlverfahren noch weiter verfeinert“, ist Michael Metzger überzeugt.

„Die Übergabe ist für mich eine Erleichterung. Ich hatte mir schon viel früher vorgenommen, kürzer zu treten, aber wenn man in seinem Trott drin ist, funktioniert das nicht so einfach“, sagt Vater Hardy Metzger. Sein Handy hat inzwischen Disponent André Gaska (32) aus Bismark auch das erleichtert den langjährigen Unternehmer der nun auch öfter mal an sich denken kann. Natürlich gebe es zwischen den Generationen immer Unterschiede bei der Herangehensweise, aber bei guter Vorbereitung kann eine Nachfolge gut funktionieren. Die nächsten Monate wird er weiterhin Teil der Firma sein und dem neuen Disponenten über die Schulter schauen. Nur so könne das über Jahre erlangte Wissen weitergegeben werden. Immerhin gebe es viele Feinheiten. So müssten Kunden stets informiert sein, wenn es aufgrund der Witterung mal wieder nicht nach Plan laufe. Auch die Koordination des Fuhrparks ist nicht so einfach. Darüber hinaus gebe es auch den Mitarbeitern noch das Gefühl, dass der alte Chef nicht weg ist.

Für die Zukunft ist Hardy Metzger grundsätzlich optimistisch: „Im Großen und Ganzen läuft es, ich habe aber trotzdem den kritischen Blick auf die Zukunft. Die Milchpreise sind im Keller und es gibt schlechte Konditionen im Getreidesektor. Da ist es für Dienstleister wie uns nicht einfacher, sondern es kann passieren, dass einige Bauern die Feldarbeiten wieder selbst machen.“ Der Junior sieht die Sache jedoch etwas leichter. Natürlich dürfe man sich nicht auf dem ausruhen, was seine Vorgänger in 25 Jahren aufgebaut haben. Für ihn sind die Stammkunden ein wichtiges Pfund, dennoch müssen auch er und sein Führungsteam ihre Hausaufgaben machen. „Die Landwirtschaft ist vom Weltmarkt abhängig und der reicht bis nach Meßdorf“, sagt Michael Metzger. Das bezieht sich nicht nur auf die Rohstoffpreise, sondern auf Konditionen für Maschinen und Verbrauchsmaterialien. Zudem sei sein Unternehmen nicht das einzige in der Branche, dass das Thema Nachfolge umtreibt. Die größte Herausforderung für den Juniorchef ist, mit kurzer Vorbereitung für 40 Mitarbeiter verantwortlich zu sein, doch das erste Jahr habe gezeigt, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat. Nun fehlen nur noch 24 Jahre, bis vielleicht die nächste Generation übernimmt.

Über das Lohnunternehmen Metzger:
Seit dem Jahr 1951 besteht das Lohnunternehmen Metzger. Damals gründete Friedrich Metzger sein Unternehmen in Schafhausen (Baden-Württemberg). Im deutschen Süden ist die Firma immer noch aktiv, ihren Mittelpunkt hat sie seit 1991 jedoch im altmärkischen Meßdorf. Das Unternehmen zählt deutschlandweit zu den fünf größten Lohnunternehmen. Seit dem Jahr 1996 ist das Lohnunternehmen Metzger ein Ausbildungsbetrieb und bietet mit den Berufen Fachkraft für Agrarservice (3 Jahre) und Mechatroniker für Land- und Baumaschinentechnik (3,5 Jahre) zwei sehr technische Berufe an. Als Dienstleister für die Landwirte in der Region weist das Familienunternehmen einen Maschinenpark mit über 100 Fahrzeugen und Einsatzgeräten aus. 40 Mitarbeiter sind derzeit in Lohn und Brot.

Metzger PR-1

Seniorchef Hardy Metzger schaut Disponent André Gaska über die Schulter.

 

Rückansicht des 36-Meter breiten Schlauchgestänges.

Rückansicht des 36-Meter breiten Schlauchgestänges.

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